Durchführung und ErgebnisseAllgemeine Einschätzung
Nach Meinung beider Partner war die Begegnung die bisher intensivste und erfolgreichste von allen. Obwohl letztlich, wie immer, nicht genügend Zeit für alle Dinge blieb, die man noch gerne gemacht hätte, waren sich alle einig, dass in der gemeinsamen Arbeit und im Miteinander eine neue Qualität erreicht wurde.
Dieser qualitative Sprung in der Partnerschaft zeigt sich darin, dass es im Zusammenhang mit den Projektaktivitäten und vor allem bei der Durchführung des Öko-Wettbewerbes erstmalig eine echte Zusammenarbeit mit den Kollegen des C.E.M. gegeben hat. Bisher lag die Verantwortung auf senegalesischer Seite vor allem in den Händen des Schulleiters. Jetzt engagierten sich neben unserem Freund, dem Deutschlehrer Nyakassi Manga, mehrere Kollegen aus verschiedenen Fachbereichen für die Umsetzung unserer gemeinsamen Vorhaben. Im Ergebnis daraus ergab sich die Gründung eines Partnerschafts-Komitees auch in Bignona. Auch Vertreter des Schülerrates am C.E.M. gehören dazu.
Während der ganztägigen Evaluationskonferenz am Ende unseres Aufenthaltes (Fotos) wurde ausführlich und ehrlich Bilanz gezogen und über Höhepunkte und Schwächen, aber auch Missverständnisse in der bisherigen Partnerschaftsarbeit diskutiert.
Vor allem aber gab es viele Ideen und Vorschläge für die Zukunft, für das nächste Treffen in Deutschland und die Art und Weise der Zusammenarbeit und Kommunikation in der Zwischenzeit. Unsere Gruppe hatte im Vorfeld ein Konzept für einen Kooperationsvertrag erarbeitet und zur Diskussion gestellt. Obwohl es noch nicht zur Unterzeichnung eines Dokumentes kam, arbeiten beide Seiten bereits nach den wichtigsten Schwerpunkten.
Mögliche Unterrichtsprojekte wurden angedacht und das Bedürfnis nach regelmäßiger gegenseitiger Information über Besonderheiten aber auch Alltägliches an der Schule geäußert. Hierzu wurde ein monatlicher Info-Austausch vereinbart, um immer auf dem Laufenden zu sein. In der Zeit seit unserer Rückkehr hat das schon gut funktioniert. So haben wir z.B. erfahren, dass das Komitee kurz nach unserer Abreise eine Konferenz der Lehrer am C.E.M. einberufen hat, um allen über den Besuchsverlauf und die Ergebnisse zu berichten. Das Interesse war groß und die Stimmung sehr positiv. Es gab „standing ovations“.
Es zeigt sich also, dass eines der wichtigsten Ergebnisse der Reise die neue Stufe der Kooperation ist und die Partnerschaft offenbar in eine weitere Phase eintritt. Wir sind gespannt, wie sich dieser Prozess künftig entwickeln wird. Beide Seiten gehen voller Optimismus und mit viel neuem Schwung auf die nächsten Aufgaben zu.
Überblick über die Ergebnisse bei den einzelnen Projektvorhaben anhand von
Beispielen und Erlebnisberichten zu den Aktivitäten:
Öko-Workshop
Daniel Gutacker und Rüdiger Martin hatten sich auf einen Workshop zu Umweltfragen vorbereitet. Dazu informierten sie sich u.a. bei Ökolea, einem ökologischen Bildungswerk in unserer Region. Sie erstellten Tafelbilder und Arbeitsblätter, die später mithilfe von Aktendullis zusammengefasst werden konnten.
In Bignona gab es dann vorab mehrere Absprachen zur konkreten Umsetzung. Um diesem Projekt den richtigen Rahmen zu geben, stellten die Bio-Lehrer Monsieur Diédhiou und Monsieur Bâ ihre Unterrichtsstunden zur Verfügung. Als Teilnehmer wurden die ca. 50 Schüler einer 8. Klasse ausgewählt. Mit beiden Lehrern gab es zunächst einen Probelauf des Workshops, um letztlich eine optimalen Veranstaltung zu gewährleisten und mögliche Probleme zu besprechen.
Am 26.01.06 war es dann soweit. Mit Unterstützung der senegalesischen Kollegen und unserer Crew, aber doch etwas aufgeregt, gingen die beiden an die Umsetzung ihres Projektes. Anfangs gab es eine Einführungsrunde, wo Themen wie Energie, Umweltverschmutzung und ökologische Zusammenhänge angerissen und mithilfe von Schemata verdeutlicht wurden. Die Schüler nutzten die vorbereiteten Arbeitsblätter, um in Gruppenarbeit ihre Erfahrungen und Vorstellungen mit einzubringen. Dazu wurde die sonst „klassische“ Sitzordnung im Raum aufgehoben. Die hierbei entstandenen Materialien durften die Schüler am Ende mitnehmen, worauf sie ein bisschen stolz waren. Zunächst dienten sie aber als eine Grundlage für die anschließende Diskussion.
Die Schüler waren sehr interessiert und stellten viele Fragen. Es zeigte sich auch, dass wir nicht nur die Vermittler von Erkenntnissen waren, sondern dass in den gemeinsamen Gesprächen ein gegenseitiger Austausch zustande kam.
Alle Beteiligten waren sehr zufrieden über die gute Resonanz. Die intensive Vorbereitung der beiden Verantwortlichen und die Kooperation mit den Kollegen vom C.E.M. hat zum erfolgreichen Verlauf beigetragen. Die Aufgeschlossenheit der Schüler hat auch gezeigt, dass das Interesse an der Umweltthematik und das Bedürfnis sich darüber auszutauschen groß ist. Am Ende war die Zeit viel zu kurz, sodass Vieles offen blieb. Hier sehen wir eine gute Möglichkeit, bei unseren nächsten Besuchen weiterzuarbeiten.
Stoffbeutel-Aktion
Verantwortlich für die Werbeaktion für Stoffbeutel war Sarah Gransee. Hier der Bericht über ihren Beitrag:
Im Rahmen unseres Ökologiethemas führte ich in einer 8. Klasse am C.E.M. einen Workshop zur Müllvermeidung durch. Unterstützung erhielt ich von andern Gruppenmitgliedern unserer Delegation, von zwei Bio-Lehrern am C.E.M. und natürlich bei der Übersetzung.
In einigen Straßen von Bignona liegt sehr viel Müll an den Rändern, vor allem Plastik. Über dieses Problem hatten wir im Vorfeld gehört und mit der ASA-Studentin, die im vergangenen Jahr an unserer Partnerschule dazu gearbeitet hatte und seitdem zu unserer Projektgruppe gehört, über ihre Arbeit gesprochen.
Bereits in Deutschland habe ich einige Stoffbeutel angefertigt und diese dann am C.E.M als Alternative zu Plastikbeuteln vorgestellt. Zunächst machten wir ein kleines Experiment über die Belastbarkeit von Stoff- gegenüber Plastikbeuteln. Dann diskutierten wir Probleme der Umweltverschmutzung und Möglichkeiten, wie jeder selbst ein bisschen zur Vermeidung beitragen kann. Ich habe über einige Aspekte der Müllentsorgung in Deutschland berichtet.
Die Schüler waren sehr interessiert und haben uns aufmerksam zu gehört. Durch ihre Fragen zeigte sich, dass viele nur wenig über die Auswirkungen wussten. Es gab z.B. die Meinung, dass Plastikbeutel aus pflanzlichen Materialien bestehen und wenn man sie wegwirft, nach einer Weile zerfallen. Durch die Beantwortung vieler Fragen bei dieser Veranstaltung war es uns möglich eine gewisse Aufklärung über Müll und Abfälle durchzuführen.
Um unsere Kampagne gegen Plastiktüten zu unterstützen, haben wir auch alle unsere Gastgeschenke in Stoffbeuteln überreicht
Öko-Wettbewerb
Der Öko-Wettbewerb war ganz sicher die effektivste und umfassendste Aktion innerhalb dieser Begegnungsreise. Hier wurden unsere Ziele am nachhaltigsten verwirklicht und viele Menschen waren beteiligt.
Letzte Vorbereitungen vor Ort:
Nach dem Eintreffen der deutschen Delegation in Bignona ging es, neben der Erfüllung aller anderen Aufgaben, sofort an die Bewältigung der letzten organisatorischen Einzelheiten für die Auswertung des Wettbewerbes.
Das Organisationskomitee vom C.E.M. hatte bereits im Dezember alle in Frage kommenden Schulen über die Ausschreibung informiert und Aushänge verteilt. Jetzt wurden gemeinsam die nächsten Schritte unternommen. Auch hier zeigten die Kollegen vom C.E.M. großes Engagement.
• Zunächst wurde noch einmal an den teilnehmenden Schulen an die Abgabe erinnert und erneut für diese Aktion geworben.
• Der Termin wurde bis auf einen Tag vor der Preisverleihung verschoben, um die Fertigstellung der Beiträge auch kurzfristig noch zu ermöglichen.
• Ernennung der Jury: 5 LehrerInnen und 3 SchülerInnen vom C.E.M. und 3 SchülerInnen aus unserer Delegation
• Kriterien für die Beurteilung wurden erarbeitet
• Besorgung der letzten Preise: als Hauptpreis ein Ticket für die Fähre nach Dakar
• Sortieren der mitgebrachten Preise: Federtaschen, Solartaschenrechner, Schulmaterial, Dynamo-Taschenlampen u.ä. sowie Abzählen der (kleinen ) Geldsummen und Verteilen in Umschläge
• Annehmen und Abholen der Wettbewerbsbeiträge bis zum 26.1.2006 mittags
Die Arbeit der Jury:
Zur Auswertung aller eingereichten Beiträge traf sich die Jury am 26.1.2006 nachmittags um 15.00 Uhr. Es hatten sich 33 SchülerInnen aus 6 verschiedenen Schulen Bignonas mit sehr unterschiedlichen Arbeiten beteiligt.
Alle Initiatoren des Wettbewerbs waren über diese starke Beteiligung positiv überrascht.
Mit Begeisterung ging die Jury an die Auswahl der Besten.
Bewertungskriterien:
- Inhalt, Lösungen, Lösungsansätze
- wie öffentlichkeitswirksam sind die
Arbeiten (beispielsweise Bilder)
- Originalität
- investierte Zeit
Zunächst wurden alle Beiträge in Kategorien sortiert und die Jury in Gruppen eingeteilt. Alle Arbeiten wurden gründlich geprüft, die Texte übersetzt und ein Vorausscheid durchgeführt. Dann beriet die Jury gemeinsam über die Wahl der Preisträger. Da alle Jurymitglieder sehr sorgfältig und verantwortungsbewusst vorgingen, dauerte die Sitzung bis weit nach Mitternacht. Allein über das Bild des später mit dem 1.Preis bedachten Schülers wurde fast eine ganze Stunde diskutiert.
Anschließend wurden noch die Namen der Teilnehmer in die vorbereiteten Urkunden eingetragen, damit am nächsten Tag für die Preisverleihung alles vorbereitet ist. Am Ende waren alle zwar müde, aber sehr zufrieden mit den guten Ergebnissen des Wettbewerbes und der Arbeit der Jury.
Die Preisverleihung:
Die Preisverleihung fand am 27.1.2006 vormittags auf dem Schulhof des C.E.M. Ahoune Sané statt. Alle SchülerInnen und LehrerInnen sowie Gäste aus anderen Schulen waren versammelt.
Wichtige Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens waren anwesend, hielten Ansprachen und übernahmen es, die Preisträger auszuzeichnen. Umrahmt wurde die Veranstaltung durch ein Kulturprogramm mit Gesang, Tanz und Theateraufführungen, bei denen auch wir mitspielten. Dieser „Tag der Partnerschaft“ bildete den würdigen Rahmen für die Auswertung des Wettbewerbes und erreichte viele. Durch diese besondere Würdigung wurde auch die Wichtigkeit der Umweltthematik noch einmal betont.
Kiila David Pierre Sarr belegte mit seinem Bild zur Abfallbeseitigung und Erhaltung der Umwelt den 1. Platz. Der Präfekt von Bignona überreichte ihm seinen Preis. Er bekam die Reise nach Dakar. Nach der Gratulation erhielt Kiila die Gelegenheit, vor allen sein Anliegen zu erläutern.
Famara Soumaré, Yaya Diédhiou und Baba Sagna erhielten den 2. Preis für ihren Comic über Folgen der Umweltverschmutzung in den Dörfern und Lösungsvorschläge.
Mamadou Lamine Diédhiou bekam Platz 3 für ein Gedicht und sein Theaterstück, in dem es um eine Diskussion zum Thema Erhalt der natürlichen Ressourcen geht.
Die meisten Teilnehmer kamen aus unserer Partnerschule, dem C.E.M. Ahoune Sané. Auch Mädchen hatten sich beteiligt und gehörten zu den Besten. So belegte Oumy Dou Gou mit einem Gedicht den 7. Platz.
Alle erhielten eine Urkunde (Liste im Anhang). Die eingereichten Beiträge waren sehr vielfältig und beleuchteten das Thema aus unterschiedlicher Sicht. Es gab sehr konkrete Vorstellungen und Lösungsansätze z.B. zur Müllvermeidung, aber auch das Aufzeigen von allgemeinen Zusammenhängen.
Einige Darstellungsformen waren: Gedichte, Aufsätze, Theaterstücke, Bilder, Zeichnungen, aus Abfall gefertigte Kunstobjekte, schematische Darstellungen oder auch ein bemaltes T-Shirt.
Die Resonanz auf den Wettbewerbsaufruf im Namen unserer Schulpartnerschaft war groß und hat uns gezeigt, dass sich viele Jugendlichen mit dem Umweltthema auseinander setzen.
Auswertung:
Eine erste Veröffentlichung der Wettbewerbsergebnisse erfolgte noch im Senegal sofort im Internet. Nach unserer Rückkehr präsentierten wir die Ergebnisse beim Tag der offenen Tür.
Weitere Ausstellungen und die Zusammenfassung aller Teilnehmerbeiträge in einer zweisprachigen Broschüre mit Unterstützung unserer Projektbegleiter Dr. Führing und Dr. Mané von ASET sind geplant. Eine solche Broschüre könnte dann sowohl hier als auch im Senegal in den Schulen als Arbeitsmaterial in der Umwelterziehung eingesetzt werden.
Schulhof
Das C.E.M. hatte bereits im vergangenen Schuljahr mit dem Bau von 4 neuen Klassenräumen begonnen. Schon vor unserer Ankunft in Bignona hatten wir zur Unterstützung der Bautätigkeit eine größere Summe Geld zu den Partnern geschickt, um die Fertigstellung zu beschleunigen.
Im Kollegium und unter den Schülern unseres OSZ haben wir dann kurz vor Weihnachten noch eine Spendenaktion zur Ausstattung der neuen Räume gestartet, die sehr gut angenommen wurde und einen schönen Geldbeitrag erbrachte.
Bei unserem Besuch konnten wir feststellen, dass schon Unterricht in den neuen Räumen stattfindet, die vor allem für die jüngeren Klassen genutzt werden. Mit unserem finanziellen Beitrag konnten wir während unserer Aufenthaltszeit den Stromanschluss realisieren, der mit einem symbolischen Einschalten des Lichtes begeistert beklatscht wurde.
Während der großen Feier zum Tag der Partnerschaft wurde auch das Rondell noch einmal feierlich im Beisein aller prominenten Gäste eingeweiht. Diese Anlage auf dem Schulhof hatte unsere Delegation vor 2 Jahren mit den Partnern begonnen anzulegen. Genutzt wird dieser Platz, der für ca. 300 Schüler Sitzmöglichkeiten bietet, schon lange für Schulveranstaltungen, Theateraufführungen, Unterricht und Pausen. Oft haben wir Schüler beobachtet, die sich in Freistunden dort aufhalten, um Hausaufgaben zu machen oder sich zu treffen. Auch der Schülerrat hält dort Versammlungen ab.
Das ganze Ensemble von Rondell, neuen Räumen und Schulleiterbüro erhielt den Namen „Schlüssel des Wissens“, weil der Grundriss eine schlüsselähnliche Form aufweist. Die Schule ist sehr stolz auf dieses Objekt (und wir sind es auch).
Unterricht
Wir haben in mehreren Fächern hospitiert bzw. am Unterricht teilgenommen, diesmal aber nicht selbst unterrichtet.
Tom Speth berichtet über seine Eindrücke:
Auch am Dienstag, dem 24.01.2006, haben wir unsere Partnerschule besucht. Wir nahmen dort am Unterricht teil. Wir waren erst im Deutschunterricht von Herrn Manga, dann wurde unsere Gruppe aufgeteilt. Einige nahmen am Englischunterricht von Herrn Moulaye teil.
Dieser Lehrer war für mich die beeindruckendste Person. In seinem Unterricht behandelte er das Thema Energie und dies mit einer deutlichen Freude. Das faszinierende an diesem Mann war seine Weltoffenheit. Deshalb fiel es mir auch nicht schwer den Schülern zu erzählen wie wir in Deutschland unsere Energie oder auch Elektrizität gewinnen. Er stellte mit den Schülern fest, dass Deutschland einen anderen Weg als der Senegal in Sachen Energiegewinnung einschlägt. Außerdem wusste er sehr genau über die Umweltpolitik in Deutschland bescheid. Dieses Wissen leitete er an seine Schüler weiter.
Im letzten Teil hatte er sich eine Diskussion über das Thema Zukunftspläne (Berufswunsch etc.) vorgestellt. Diese führten wir dann auch mit den Schülern und es kamen ganz interessante Sachen dabei heraus. Viele von den dort anwesenden Schülern wollten im Ausland studieren.
Es war sehr beeindruckend, mit welcher Entschlossenheit einige Schüler ihre Zukunftspläne schon längst geschmiedet hatten. Zu alledem hat der Herr Moulaye auch noch etwas gesagt und dies machte ihn für mich einmalig, weil dieser Satz so durchdacht und sehr weise formuliert war. Er sagte: „ Ihr könnt gerne in Frankreich oder auch woanders studieren gehen, aber wenn ihr euren Abschluss gemacht habt, dann kommt bitte in den Senegal zurück, weil in Frankreich etc. haben sie genug Leute eurer Art, aber der Senegal braucht euch. Hier könnt ihr etwas Unvergessliches leisten und das Land aufbauen. Also studiert im Ausland und wendet eurer Wissen in der Heimat an!“ Diese Aussage stimmte mich nachdenklich. Ich dachte darüber nach, hat er das gerade wirklich gesagt und auch so gemeint oder war es irgendwo abgelesen? Als mir bewusst wurde, dass es sein Ernst war, kam mir der Gedanke: Warum haben wir nicht solche Lehrer an der Schule, die so um die Ecke denken können? Bis jetzt ist mir nur die Antwort gekommen, dass wir es nicht nötig haben, aber dies kann ja nicht des Rätsels Lösung sein. Diesen Menschen werde ich nicht so schnell vergessen.
Neben den vorab eingeplanten Stunden waren wir außerdem oft in der Schule und haben viel Zeit dort verbracht, u.a. gab es sportliche Aktivitäten.
Computerkabinett
Unsere Computerexperten haben etwas Zeit mit der Arbeit an den Rechnern des C.E.M. verbracht, aber das war nicht so umfangreich wie geplant. Die Schule hat aufgrund verschiedener Schwierigkeiten noch kein eigenes Computerkabinett einrichten können, sodass hier die Möglichkeiten vorerst eingeschränkt sind.
Club-Arbeit
Wir hatten Kontakt mit vielen Schülern aus verschiedenen Clubs der Schule und auch mit einigen Lehrern. Vor allem zum Deutsch- und Kunst-Club gab es schon langfristige Beziehungen. Aber auch zum Club E.V.F. (Umwelt, Leben, Familie) haben wir jetzt durch unsere gemeinsame Arbeit neue Verbindungen geknüpft.
Für unsere Schüler ist es faszinierend zu erleben, wie die Clubs arbeiten, wie selbstständig die Schüler demokratische Strukturen benutzen (z.B. auch im FUSCO, dem Schülerrat der Schule) und mit viel persönlichem Engagement und Zeitaufwand die Ziele der jeweiligen Gruppe bzw. des Clubs verfolgen und umsetzen.
Der Kunst-Club besuchte uns oft in unserer Unterkunft. Hier organisierten die Mitglieder auch eine Ausstellung mit Bildern und Objekten zum Thema Partnerschaft. Fast alle Werke wurden mit Abfallresten aus Plastikflaschen oder Glas, manchmal in Kombination mit Naturelementen wie Samen oder Muscheln, gestaltet. Einzelne Bilder gingen dann in den Öko-Wettbewerb mit ein.
Gemeinsam mit dem Deutsch-Club wurde auf vielen Proben ein eigenes Theaterstück für den Tag der Partnerschaft einstudiert. Thema waren Schulsituationen und Ansichten zur Bildung in manchen Elternhäusern. Durch die vielen Proben und die Auseinandersetzung mit dem Inhalt gab es eine besonders intensive Berührung in diesem Punkt und eine lebendige Zusammenarbeit
Kontakte und Begegnungen
Es ist unmöglich, auch nur einen annähernden Überblick über die Vielzahl an Treffen, Begegnungen und neuen und alten Kontakten zu geben. Ganz besonders schön ist es immer, alte Bekannte und die Freunde wieder zu treffen. So haben wir das Wiedersehen mit den Schülern und Lehrern genossen, die bereits bei uns in Deutschland zu Besuch waren oder die wir von unseren früheren Reisen nach Bignona kannten.
Dieser Kreis der Freunde und Partner hat sich durch die neue Begegnung stark erweitert.
Hier also nur ein kurzer Abriss zu (organisierten) Begegnungen, die außer den im übrigen Bericht genannten stattgefunden haben (s.a. Tagesübersicht):
• Offizielle Besuche (in Dakar und Bignona)
• Offizielle Familienbesuche an 2 verschiedenen Tagen
• Besuch in der Kooperative der Obstfrauen
• Besuch der Grundschule in Colomba
• Besuch der neuen Schule und des Dorfes Niamone
• Treffen mit offiziellen Vertretern der Casamance in Dakar
Obwohl ursprünglich anders geplant, hatten wir unsere Unterkunft wie schon vor 2 Jahren wieder in der Herberge der Nonnen. Das war eine freudige Überraschung, da einige von uns sich noch gut an die hervorragende Küche und die gute Betreuung erinnerten. So gab es auch hier ein herzliches Wiedersehen. Unsere Herberge bot neben der großartigen Gastfreundschaft und der angenehmen Unterbringung auch sehr gute räumliche Bedingungen, die wir für viele Aktivitäten nutzten, sowie einen großen Hof für lockere Treffen, Gesprächsrunden oder Fußball.
Kunst und Kultur
In der Freizeit wurde oft gemeinsam gelesen, gestaltet, die Natur beobachtet oder es wurden die Gebräuche beim Handeln auf dem Markt erkundet. Wir hatten viel Spaß dabei und haben so ganz „nebenher“ eine Menge an Informationen und neuem Wissen gesammelt.
Neben den täglichen, oft spontanen Unternehmungen, gab es aber auch gezielte und vorbereitete Aktivitäten.
Für die große Feier am Tag der Partnerschaft gibt es immer ein Kulturprogramm. Diesmal waren wir nicht nur Zuschauer, sondern einige aus unserer Gruppe nahmen als Akteure an einem Theaterstück teil. Thema waren Schulsituationen und Ansichten zur Bildung in manchen Elternhäusern. Durch die vielen Proben und die Auseinandersetzung mit dem Inhalt gab es eine besonders intensive Berührung in diesem Punkt und eine lebendige Zusammenarbeit.
Die Aufführung wurde ein voller Erfolg und die Idee des gemeinsamen Spiels wurde mit viel Applaus gewürdigt.
Über eine weitere gelungene gemeinsame Aktion berichtet Norbert Hahn:
Zum Abschluss unseres Aufenthaltes in Bignona fand am 31.01.2006 eine große Evaluierungsrunde statt. Gemeinsam wurde mit allen Verantwortlichen aus der Partnerschule und natürlich unserer Delegation resümiert. Die lange konzentrierte Diskussion ohne Essenspausen und die befriedigenden Ergebnisse und Vereinbarungen am Ende schufen eine gute Stimmung und beste Voraussetzungen für den nachfolgenden Abend.
An diesem Tage war das Besondere die „Übernahme“ der Klosterküche. Da wir mittlerweile einige einheimischen Gerichte kennen gelernt hatten, wollten wir unseren Freunden mit Buletten und Bratkartoffel die „typisch Deutsche Küche“ zeigen. Hühnerfrikassee, Reis und ein gemischter Salat sollten unser Angebot bereichern.
Kurzerhand bestellten wir alle benötigten Lebensmittel auf den Nachmittag, denn wir hatten unsere Freunde erst zum Abendessen eingeladen.
Unsere Koch-Crew bestand aus einer kleinen senegalesisch-deutschen Küchenbrigade.
Pünktlich begannen wir am Nachmittag, die ersten Mise-en-place-Arbeiten in der Küche zu erledigen. „Wo sind die 4 Hühner für das Hühnerfrikassee“ fragte ich. „Die laufen noch alle vergnügt im Klostergarten rum“ sagte Tom. „Wie?“ „Und was jetzt?“ Na ja die Nonnen in der Klosterküche erbarmten sich unserer Ratlosigkeit und schlachteten kurzerhand das Federvieh, das dann auch gleich im Suppentopf landete. Das Rindfleisch für die Buletten wurde frisch angeliefert, aber es war noch schlachtwarm (oder wurde es zu lange in der Küche gelagert?). „Sofort in den Kühlschrank damit“ fiel mir nur ein, um die deutschen Hygiene-Standards zu halten. Etwas verunsichert und benommen vom doch erheblich unterschiedlichen Umgang mit frischen Lebensmitteln fingen wir an zu kochen.
Letztendlich waren wir eine Gruppe von 7 Personen. Der Chef de Cuisine, das war ja nun ich, mein Sous-Chef, das war der Tom, und die anderen Helfer waren die so genannten Commis.
Wir hatten alle viel Spaß in der Klosterküche. Gesprochen wurde französisch, englisch und deutsch. Die einen rollten die Buletten, die anderen brieten sie, die mittlerweile gekochten Hühner wurden zerkleinert, das Fleisch in mundgerechte Stücke geschnitten. Die Kartoffeln gekocht, gepellt und geschnitten, ebenso die Zwiebeln für die Bratkartoffeln. Die Zutaten für den gemischten Salat wurden gewaschen, zerkleinert und bereitgestellt. Den Reis pünktlich zu kochen übernahmen freundlicherweise die Nonnen, die ohnehin das rege Treiben in der Klosterküche mit Interesse, aber auch mit Skepsis verfolgten.
Nun ging es ans „Eingemachte“: das Essen musste in 2 Stunden fertig sein. Jedes Küchenmitglied wurde für eine bestimmte Aufgabe eingeteilt und es klappte wunderbar. Die Buletten dufteten in der Pfanne. Baba lernte die Bratkartoffel mit Zwiebeln nicht mit dem Pfannenheber sondern durch Schwenken in der Luft zu wenden, was sogar die küchengeprüften Nonnen beeindruckte. Der Salat wurde mit einem tollen Dressing vermischt und die Sauce für das Hühnerfrikassee kochten wir sogar ohne Mehlklumpen.
Wir hatten noch einiges an Material über. Die Schülerinnen unserer Partnerschule sprachen sich kurzerhand mit den Nonnen ab und zauberten spontan einige einheimische Leckerbissen.
Wir haben es geschafft. Es wurde ein beeindruckendes Buffet aufgebaut, und die fertigen Speisen entsprechend präsentiert. Nach einigem Zögern und vorsichtigem Kosten waren die Platten, Schüssel und Töpfe ruck zuck leer. Für uns ein Zeichen, dass es allen offensichtlich geschmeckt hat.
Es hat allen sehr, sehr viel Spaß gemacht.
Unsere Delegation
Wie auch beim letzten Mal war diese Reise prägend für alle in der Delegation. Es gab ein völlig neues Gefühl der Gastfreundschaft, einen neuen Blickwinkel auf viele Dinge in der Welt und besonders in Afrika. Unser Verständnis für andere Kulturen wurde erweitert, die Fähigkeiten, sich in Französisch, Englisch und anderen Sprachen zu verständigen, ausgebaut. Teilweise anfänglich vorhandene Ängste oder Hemmungen waren schnell verflogen.
Die stärksten Eindrücke und die nachhaltigsten Erlebnisse während unseres ganzen Aufenthaltes hatten wir im Rahmen der vielen Treffen und Begegnungen mit den Menschen im Senegal. Die Begrüßung in Bignona, die gespannte Erwartung und Wiedersehensfreude machten schon unsere Ankunft zu einem Ereignis.
Mehrere Ausflüge und Diskussionsrunden gemeinsam mit unseren Partnern ließen uns tiefer in bestimmte Bereiche eindringen. So erfuhren wir mehr über die Konflikte in der Casamance, die Rolle der Frauen und Mädchen, zu Problemen von AIDS und Vielehe.
Wir besuchten z.B. das Dorf Niamone, wo das älteste Volk der Casamance lebt. Vor kurzem wurde hier die erste Schule eröffnet. Wir erfuhren im Rahmen eines Dorffestes viel Interessantes zur Tradition und erlebten die Technik der Palmpflücker, schöpften selber Wasser aus dem Brunnen, wurden von den Ältesten begrüßt und kosteten die einheimischen Früchte.
Die Einladungen in die Familien und die täglichen Begegnungen mit alten und neuen Freunden führten schnell zu einem Gefühl der Vertrautheit, zeigten uns einen Teil des Lebens und verhalfen uns zu Einblicken in Kultur, Religion, Alltag und Schule und machten uns den Abschied am Ende schwer. Das Bedürfnis, die Verbindung zu halten und die Freundschaften auszubauen ist sehr groß.
Bei allen offiziellen Besuchen wurde die Bedeutung unserer Partnerschaft, nicht nur für die Schule sondern für die gesamte Region, hervorgehoben.
Innerhalb unserer Reisegruppe gab es ein freundschaftliches Miteinander. Regelmäßig, meist abends, tauschten wir unsere Eindrücke aus und reflektierten die Ereignisse des Tages.
Trotz der Anstrengungen und der oft sehr hohen Temperaturen wurden alle Aufgaben gut erfüllt und darüber hinaus die Zeit maximal genutzt, um möglichst viel zu sehen, zu erleben und mit den Freunden zusammen zu sein.
|